Tag 48 (21.02.2007)
Waisenhaus in Kijitonyama
Während ich es mir in dem Praktikantenzimmer bequem gemacht habe, wird draußen vor der Tür auf dem Holzkohleofen noch gekocht. Die Kinder sitzen schon am großen Tisch und warten auf das Abendessen. Einige sind noch etwas schüchtern und trauen sich nicht so richtig, in meine Nähe zu kommen. Als ich beginne, meine Videokamera auszupacken und vom Staub des Tages zu reinigen, obsiegt doch die Neugier. Aisha verliert als erste die Scheu und fragt, ob ich ihr zeigen kann, was ich heute gefilmt habe. Ich muss sie auf später vertrösten. Für Jesse und mich wird separat an einem kleinen Tisch gedeckt. Die Kinder, Eva und ihre Schwester sitzen zusammen am großen Esstisch. Es gibt Reis mit Bohnen und Spinat, dazu Maji (Wasser) aus zwei verschieden Kannen, einmal mit Eis, einmal ohne zum Mischen. Jesse betet, wir sind in einem christlichen Haus und erst dann kann die Mahlzeit beginnen. Es ist auffallend still. Kein Geschwätz. Ganz friedlich genießen die Kinder ihre Abendmahlzeit. Es schmeckt vorzüglich. Rasch wird abgeräumt. Die Kinder helfen fleißig mit.
Jesse brennt darauf, mehr von unserer Tour zu erfahren. Bei einem Glas Wasser beginne ich, zu erzählen. An der Wand hängen Afrikakarten und ich kann mit dem Finger die Route aufzeigen. Ungläubiges Staunen. Ich erzähle von unserem Besuch bei Joshua und Lulu in Mwanga und jetzt will Jesse mehr wissen. Vorher hat er nur zugehört, jetzt beginnt er, Fragen zu stellen. Wir unterhalten uns auf Englisch. Ich suche die Kassette mit den Aufnahmen von Mwanga in der Kilimandscharoregion heraus und spule zurück. Gespannt schaut Jesse auf das kleine Display der Kamera, auf dem die Gesichter von Lulu und Joshua auftauchen. Während die Szenen mit dem Schuldirektor über den Bildschirm huschen, ruft er Eva und ihre Schwester zu uns, damit sie auch schauen können. Im Nu sind auch alle Kinder zur Stelle, manche mit Zahnbürste im Mund, sie waren schon auf dem Weg ins Bett. Das winzige Rechteck des Kamerabildschirms wird für die nächsten Minuten zum Highlight des Abends. Immer wieder soll ich die Szenen wiederholen, bis jeder gesehen hat, wo wir am Panganiriver gepicknickt haben und wie Daniel den Schülern der Kilimandscharo secundaryschool von unserer Reise berichtet.
Es ist fast 21 Uhr geworden. Eine kurze Dusche und ich bin im Praktikantenzimmer allein. Es ist schwül heiß, kein Lüftchen weht, Gott sei Dank keine Moskitos. Eine Zudecke braucht man hier nicht, man fühlt sich wie auf der untersten Stufe einer finnischen Sauna.
Ich habe trotz der Hitze schlafen können. Manchmal nachts habe ich das Schreien des Babys, der kleinen Susan gehört, bin aber gleich wieder eingeschlafen. Nur der Muezzin um 5 Uhr morgens ist nicht zu überhören. Ob jeder Muslim um diese nachtschlafende Zeit aufsteht und betet, wage ich zu bezweifeln. Was für ein Segen doch die Erfindung der Ohropax Ohrstöpsel bedeutet.
Jesse brennt darauf, mehr von unserer Tour zu erfahren. Bei einem Glas Wasser beginne ich, zu erzählen. An der Wand hängen Afrikakarten und ich kann mit dem Finger die Route aufzeigen. Ungläubiges Staunen. Ich erzähle von unserem Besuch bei Joshua und Lulu in Mwanga und jetzt will Jesse mehr wissen. Vorher hat er nur zugehört, jetzt beginnt er, Fragen zu stellen. Wir unterhalten uns auf Englisch. Ich suche die Kassette mit den Aufnahmen von Mwanga in der Kilimandscharoregion heraus und spule zurück. Gespannt schaut Jesse auf das kleine Display der Kamera, auf dem die Gesichter von Lulu und Joshua auftauchen. Während die Szenen mit dem Schuldirektor über den Bildschirm huschen, ruft er Eva und ihre Schwester zu uns, damit sie auch schauen können. Im Nu sind auch alle Kinder zur Stelle, manche mit Zahnbürste im Mund, sie waren schon auf dem Weg ins Bett. Das winzige Rechteck des Kamerabildschirms wird für die nächsten Minuten zum Highlight des Abends. Immer wieder soll ich die Szenen wiederholen, bis jeder gesehen hat, wo wir am Panganiriver gepicknickt haben und wie Daniel den Schülern der Kilimandscharo secundaryschool von unserer Reise berichtet.
Es ist fast 21 Uhr geworden. Eine kurze Dusche und ich bin im Praktikantenzimmer allein. Es ist schwül heiß, kein Lüftchen weht, Gott sei Dank keine Moskitos. Eine Zudecke braucht man hier nicht, man fühlt sich wie auf der untersten Stufe einer finnischen Sauna.
Ich habe trotz der Hitze schlafen können. Manchmal nachts habe ich das Schreien des Babys, der kleinen Susan gehört, bin aber gleich wieder eingeschlafen. Nur der Muezzin um 5 Uhr morgens ist nicht zu überhören. Ob jeder Muslim um diese nachtschlafende Zeit aufsteht und betet, wage ich zu bezweifeln. Was für ein Segen doch die Erfindung der Ohropax Ohrstöpsel bedeutet.
Fußballnachwuchs aus Tansania
Die Nacht ist vorbei, die Sonne scheint durch die Vorhänge. Draußen im Garten spielt Rachim mit der kleinen Katze. Er freut sich, als ich mich zu ihm geselle und ihm zeige, wie man die kleine Katze geschickter anfassen kann, damit man ihr nicht wehtut. Großes Staunen. Eva ruft zum Frühstück. Toast mit Butter, Kaffee. Rachim will Fußball spielen und ruft mich ungeduldig. Er ist sehr geschickt und beherrscht virtuos den Ball, spielt ihn von einem Fuß zum andern und kickt ihn dann nach hinten, um ihn sogleich wieder zur Seite zu spielen. Ein Naturtalent. Der Schweiß rinnt mir aus allen Poren. Die kleine Katze hat sich auf einem der Bäume verstiegen und maunzt erbärmlich. Ich versuche, sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien, aber mit einem großen Satz auf den Rasen ist es ihr schon selbst gelungen.
Ich gehe duschen, draußen vor der Haustür wird der Holzkohleofen in Gang gesetzt, das Mittagessen muss zubereitet werden, eine Aktion, die beide Frauen den gesamten Vormittag in Anspruch nimmt. Die Kinder kommen aus der Schule nach Hause. Sie liegt nur um die Ecke, an der nächsten Straße, also kurzer Schulweg. Ein feiner Duft von Bratensoße zieht durchs Haus. Aisha zeigt mir, was sie heute in der Schule gelernt hat. Es geht um die Uhrzeit und die Zeigerstellungen. Sauber hat sie alles in ihrem Schulheft notiert. Eva ruft zum Essen, es gibt Hugalli, eine Art Polenta, also Maisbrei, dazu Soße, etwas Rindfleisch und Salat.
Ich gehe duschen, draußen vor der Haustür wird der Holzkohleofen in Gang gesetzt, das Mittagessen muss zubereitet werden, eine Aktion, die beide Frauen den gesamten Vormittag in Anspruch nimmt. Die Kinder kommen aus der Schule nach Hause. Sie liegt nur um die Ecke, an der nächsten Straße, also kurzer Schulweg. Ein feiner Duft von Bratensoße zieht durchs Haus. Aisha zeigt mir, was sie heute in der Schule gelernt hat. Es geht um die Uhrzeit und die Zeigerstellungen. Sauber hat sie alles in ihrem Schulheft notiert. Eva ruft zum Essen, es gibt Hugalli, eine Art Polenta, also Maisbrei, dazu Soße, etwas Rindfleisch und Salat.
Kreuz und quer durch Dar es Salaam
Ich bin in Eile, Daniel hat angerufen, wir sollen uns in der Stadt treffen. Ich packe meine Kameras und einen kleinen Koffer und ab geht's mit dem Taxi aus Kijitoniama heraus Richtung Downtown. Der junge Taxidriver kann kein Englisch. Laute Hip-Hop-Musik tansanischer Provenienz im Autoradio. Aber immerhin eine Klimaanlage. Er soll mich zum Kempinskihotel fahren, wo ich mich mit Daniel und Kordula treffen will. Er fährt mich zum Hotel Möwenpick und bedeutet mir, auszusteigen. Ich kann mich soweit verständlich machen, dass dies wohl nicht die richtige Adresse sei. Rätselraten. Ein anderer Taxifahrer hilft und sagt mir, ich meine wohl das Kilimandscharohotel. Erneutes Rätselraten. Ein Fahrversuch. Das Kilimandscharohotel ist tatsächlich das Kempinski. Alter und neuer Name stehen treu vereint auf dem Schild zur Hoteleinfahrt. Wieder ein Missverständnis, als ich mit meinem Gepäck aussteige, denkt man natürlich, dass ich hier einchecken will. Ich gebe zu verstehen, dass dies nur ein Treffpunkt mit Freunden sei. Lachen, Kopfschütteln. Daniels Toyota röhrt auf die Hotelanlage, schnell steige ich ein und ab geht's zur Fähre.
Natürlich müssen wir wieder eine Stunde in der Hitze warten, bis wir endlich zum anderen Ufer der Hafeneinfahrt hinüberschippern können. Es sind alte deutsche Rheinfähren, die hier seit Jahrzehnten klaglos ihren Dienst verrichten. Zwar ächzt der alte Schiffsdiesel ein wenig, aber er bringt uns in zwanzig Minuten sicher auf die andere Seite. Wir fahren nach Kepepeo Beach (Kepepeo heißt Schmetterling auf suaheli). Daniel hat dort zwei Sponsoren für seine Waisenhäuser untergebracht, die sich einmal vor Ort ein Bild von den Waisenheimen machen wollen. Jan ist Chef einer Düsseldorfer Werbeagentur und noch nicht so afrikaerfahren. Seine Lebensgefährtin begleitet ihn. Wir sitzen an der kleinen Strandbar und unterhalten uns. Daniel und Kordula schildern den beiden Neuankömmlingen, wie es zu der Idee kam, Waisenkinder in Tansania zu unterstützen und wie Streekids International gegründet wurde. Zum gemeinsamen Abendessen fahren wir ins Lulu-Pup, einem kleinen Gartenrestaurant, nicht weit von Kepepeo. Es gibt eine Art Souflaki vom Rind mit Pommes frites. Mischkaki und Chipsi nennt man das hier. Schmeckt vorzüglich. Es ist bald 23 Uhr, als wir in unsere luftigen Stelzenbungalows zurückkommen. Ein kühlender Wind weht, die Brandung rauscht. Ich krieche unter das Moskitonetz, lösche das Licht und lausche hinaus in die Tropennacht.
Natürlich müssen wir wieder eine Stunde in der Hitze warten, bis wir endlich zum anderen Ufer der Hafeneinfahrt hinüberschippern können. Es sind alte deutsche Rheinfähren, die hier seit Jahrzehnten klaglos ihren Dienst verrichten. Zwar ächzt der alte Schiffsdiesel ein wenig, aber er bringt uns in zwanzig Minuten sicher auf die andere Seite. Wir fahren nach Kepepeo Beach (Kepepeo heißt Schmetterling auf suaheli). Daniel hat dort zwei Sponsoren für seine Waisenhäuser untergebracht, die sich einmal vor Ort ein Bild von den Waisenheimen machen wollen. Jan ist Chef einer Düsseldorfer Werbeagentur und noch nicht so afrikaerfahren. Seine Lebensgefährtin begleitet ihn. Wir sitzen an der kleinen Strandbar und unterhalten uns. Daniel und Kordula schildern den beiden Neuankömmlingen, wie es zu der Idee kam, Waisenkinder in Tansania zu unterstützen und wie Streekids International gegründet wurde. Zum gemeinsamen Abendessen fahren wir ins Lulu-Pup, einem kleinen Gartenrestaurant, nicht weit von Kepepeo. Es gibt eine Art Souflaki vom Rind mit Pommes frites. Mischkaki und Chipsi nennt man das hier. Schmeckt vorzüglich. Es ist bald 23 Uhr, als wir in unsere luftigen Stelzenbungalows zurückkommen. Ein kühlender Wind weht, die Brandung rauscht. Ich krieche unter das Moskitonetz, lösche das Licht und lausche hinaus in die Tropennacht.
Bericht von Peter Becker







