Trail for Africa - Fahrt in die Zukunft
Tag 4 (08.01.2007)
Libysche Grenze
Weiterfahrt Richtung libysche Grenze
Komfortables Frühstück im Hotel: Ich verschütte Daniels Tee und bekomme keinen neuen. Erster Ärger. Einer der anderen Fahrer verliert seine Funkantenne. Problem. Ein letztes Mal warmes, fließendes Wasser zum Duschen und dann geht's ab ins Auto Richtung Libyen. Wir fahren wieder durch viele kleine Dörfer, sehen viele wunderbare Dinge. Am Straßenrand hängen überall Chilischoten. Jedoch ändert die wunderschön von Chilischoten gesäumte Straße ein Dorf weiter ihr Bild. Die Straße ist nun geziert von kopflosen, toten Schafen, die kopfüber hängen und ihr letztes Blut verlieren.

Die Fahrt ist rasant. Wir müssen uns der tunesischen Fahrweise anpassen und ich vermute, in Tunesien bekommt man den Führerschein in jedem Supermarkt. Ich halte häufig die Luft an und mache die Augen zu, um nicht zu sehen, was passiert. Daniel ist sehr konzentriert, um uns sicher ans Ziel zu bringen. Wir fahren stundenlang durch wunderschöne Landschaften, Olivenbäume so weit das Auge reicht. Ich muss mal, doch dann ist nirgendwo mehr weit und breit ein Busch zu sehen. Nach zwei Stunden muss ich sehr dringend, aber Daniel hält einfach nicht an. Wir fahren zügig, denn wir wollen vor Einbruch der Dunkelheit die libysche Grenze erreichen. Trotzdem machen wir noch eine Mittagspause, in welcher wir in der kleinen Stadt Skihra in einem kleinen Fischrestaurant essen. Das Essen ist lecker und ich habe die Möglichkeit, auf Toilette zu gehen. Endlich! Nach einem kleinen Kaffee geht's weiter. Zum Abschied bekomme ich von dem Restaurantbesitzer noch ein total leckeres Baguette geschenkt. Weiter geht's.

Wir kommen der libyschen Grenze immer näher. Zwischendurch sind immer wieder Polizeikontrollen. Wir werden immer problemlos weiter gewunken. Überall an der Straße stehen kleine bunte Kanister, gefüllt mit verschiedenen Flüssigkeiten. Wir rätseln, was da drin sein könnte... Alle 500 m kommen kleine fragwürdige „Tankstellen". Diese bestehen aus ein paar alten rostigen Fässern, Kanistern und einem großen Trichter zum Einfüllen des Benzins, Diesels oder was auch immer die Autos hier so brauchen, um vorwärts zu kommen. Daniel ist immer wieder mit seinem Handy beschäftigt, um zu klären, weshalb die Sat-Verbindung nicht funktioniert und um das Problem in den Griff zu bekommen. Nach langen Handygesprächen haben wir die Aussicht, endlich eine Lösung zu finden. Plötzlich werden wir von der Polizei angehalten und es scheint länger zu dauern. Wir können noch nicht sehen, was los ist, da wir weiter hinten stehen. Wir drehen die Lautstärke des Funkgerätes runter und sehen dann, wie einer der Polizisten länger an Helmuts Auto steht. Wir machen uns Sorgen... Dann sehen wir den Polizist in Helmuts Auto einsteigen... Funkstille. Später erfahren wir, dass er einfach nur mitfahren wollte um ins nächste 30 km entfernte Dorf zu gelangen.

Nach weiteren drei Stunden erreichen wir die libysche Grenze. Chaos, Dunkelheit, Stress, Huplärm und Anspannung unter den Fahrern. Um nicht zu viel Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen, wollten wir eigentlich getrennt an der Grenze ankommen. Aber wir standen dann doch alle zusammen mit 6 Autos da. Nach langer Drängel- und Wartezeit, haben wir die Grenze passiert und treffen im Niemandsland-Grenzgebiet zwischen Tunesien und Libyen zwei weitere Mitfahrer und unseren libyschen Kontaktmann von der „Touristenpolizei". Direkt nach der Grenze treffen wir den geheimnisvollen Mann mit dem Aktenkoffer und bekommen eine Menge Papiere. Anschließend werden libysche Nummerschilder verteilt, welche sich jedes Fahrzeug über die jeweiligen deutschen Nummerschilder kleben muss. Dann geht's im Dunklen weiter zu unserem Camp. Wir können nur mit 40 km/h fahren und müssen eng hintereinander bleiben. Nachts durch Libyen zu fahren ist nicht ganz ungefährlich, da die Verkehrsteilnehmer hier gerne ohne Licht fahren. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir unser erstes Camp und das ist am Strand. Im Dunklen müssen wir unser Dachzelt aufbauen und dafür sorgen, dass wir etwas zu essen bekommen. Plötzlich kommen zwei Geländewagen aus der Dunkelheit gefahren, ohne Licht und mit sichtlich mitgenommenen Autos. Seltsame Tücher tragen sie um den Kopf gewickelt und schauen uns streng an. Wieder die Touristenpolizei, die nach gestrandeten Bootpeople sucht. Erst spät können wir schlafen. Von überall her hören wir wilde Hunde bellen. Am frühen Morgen gegen 4 Uhr fängt ein Gockel an zu krähen.

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